Im Buchhandel

Meine Gedanken sind bei dem Buch, das ich zurzeit lese. Ich habe mich so sehr darin vertieft, dass mir erst jetzt der Geruch von frischem Kaffee in die Nase steigt. Ich blicke auf und entdecke die Tasse. Die Tasse Kaffee, die ich vor fünf Minuten gemacht habe. Ist mir total entfallen. Muss ziemlich weg gewesen sein. Soll ja vorkommen.

Mein Alltag ist so verschieden, wie er nur sein kann. Nach zwei Monaten habe ich noch nicht einen Tag zwei Mal gleich erlebt. Ich gehe fünf Tage die Woche arbeiten und jeder ist anders und in der folgenden Woche beginnt das Spiel von Neuem. Jeder Tag ist gefüllt von tollen Begegnungen und jenen, die etwas anstrengender sind als andere. Manche Menschen sind kommunikativ, bei anderen könnte man meinen, sie hätten das Sprechen verlernt. Von jung bis alt und gross bis klein – sie kommen alle hier vorbei. Der Typ im Designeranzug, welcher der Freundin zuliebe mit in die Buchhandlung gekommen ist, steht neben dem kleinen Jungen, der aus seinem Taschengeld seinen ersten Comic kaufen möchte. Wie viele Gespräche ich führe und wie vielen Menschen ich jeden Tag begegne, weiss und zähle ich nicht. Interessant ist es trotzdem.

Ich habe den besten Job der Welt. Allerdings ist es nicht nur ein Job, sondern vielmehr ein Beruf. Doch obwohl viele Menschen in meinem Umfeld lesen und regelmässig mit Büchern zu tun haben wurde ich seit meiner Berufswahl oft mit der Frage konfrontiert „was macht ein Buchhändler eigentlich den ganzen Tag?“ oder „was macht ein Buchhändler überhaupt?“.

Seit Jahren gehe ich in Buchhandlungen ein und aus und irgendwie war mir doch nie vollends klar, was ein Buchhändler sein wirklich bedeutet, bis ich selbst in das Metier eingestiegen bin.

Mittlerweile umfasst meine Arbeit ein erstaunliches Spektrum an verschiedenen Aufgaben. Manchmal sind es simple Dinge, wie zum Beispiel im Laden die Bücher wieder gerade zu rücken und jene, die im Regal nach hinten gerutscht sind, wieder nach vorne zu ziehen und manchmal bin ich den ganzen Vormittag im Laden unterwegs, weil ich Bücher zusammensuche, die sich für ein Schaufenster und eine dazugehörende Auslage zu einem bestimmten Begriff passen – manchmal optisch, manchmal thematisch.

Auch die späten Stunden gehören dazu, genauso wie das früh aufstehen. Mal ist es so, mal ist es anders – aber es ist immer toll. Es ist ein grosses Ganzes und jeder kleine Teil ist wichtig.

Jede Arbeit macht Spass und auch die schwierigen Momente oder “spezielleren” Verkaufsgespräche, die mir meist viel abverlangen, haben ihre guten Seiten. Im Wesentlichen ist das, was ich mache folgendes – ich begegne Menschen und versuche sie darin zu unterstützen, sich im Geschäft wohl und willkommen zu fühlen, dazu gehört zum Beispiel Menschen zu grüssen, die ich nicht selbst bediene oder auch eben das Geraderücken von Büchern. Ich versuche, den Menschen, die zu mir kommen zu helfen, ihr Problem zu lösen oder ihr Anliegen zu betreuen – Geschenke für einen Polterabend, ein Buch, das einem Tipps gibt, jemanden in der Trauer um einen geliebten Menschen zu unterstützen, ein Ratgeber für Neo-Veganer oder Spiele für eine Kindergeburtstagsfeier oder das perfekte Buch für die Herbstferien zu finden, wobei im letzten Fall es meist damit endet, dass der Kunde oder die Kundin mit mehr als einem Buch das Geschäft wieder verlässt und meist etwas gefunden hat, von dem sie nicht ein Mal gewusst hat, dass sie das sucht.

Wir Buchhändler sind dafür da, genauso wie wir gerne ein Geschenk verpacken oder auch einfach nur darüber Auskunft geben, wo der nächste Kiosk zu finden ist.
Buchhändler sein ist ein Allround-Job und ich finde das grossartig. Ich unternehme jeden Tag eine Reise in eine einfach grossartige Welt und werde dadurch Teil vom Leben anderer – wenn auch nur für einen kurzen Moment. Es ist eine total tolle Sache.

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7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wie schön, dass du deinen Beruf so sehr liebst! 🙂

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    1. Ja es ist wirklich wunderbar 🙂

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      1. Find das echt schön mal zu lesen, dass jemand nicht meckert, sondern es wirklich möglich ist, auch Spaß dabei zu haben! So solls bei mir auch mal sein 🙂

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      2. Weisst du, es hat immer auch Momente, in denen alles weniger einfach fällt aber es ist wirklich schön, dass die Freude und der Spass and der Arbeit deutlich überwiegen 🙂

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      3. Das stimmt! Ist ja so bei allen schönen Sachen.. aber Recht hast du 🙂

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  2. sophielavea sagt:

    Hey ich bin seit 4 Jahren Aushilfe in einer Buchhandlung. Mittlerweile nennen mich alle Buchhändlerin und ich tue mich schwer mit dem Gedanken irgendwann aufzuhören dort zu arbeiten. Irgendwie fühle ich mich zwischen den ganzen Büchern am wohlsten. Ich kann nirgendwo in der Öffentlichkeit so gelassen und ich selbst sein wie dort… Du beschreibst es wirklich toll!! Dankeschön!

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    1. Das Gefühl kenn ich gut.. gern geschehen 🙂

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