Budapest

Hier würde ich gerne ein Mal leben. Nicht für immer. Nicht jetzt. Irgendwann.

Andere wählten Venedig, Rom, London oder Paris – ich gienge nach Budapest. Die Stadt an der Donau.

Ich war kürzlich an meinem freien Tag in der Buchhandlung, in der ich arbeite und habe nach einem Buch gesucht – klar, was soll man in einer Buchhandlung sonst machen. Bei meiner Suche – herzlichen Dank an all meine involvierten Kolleginnen, ihr seid Klasse – ist mir aufgefallen, dass wenn ich das Buch finden möchte, welches ich beim Betreten einer Buchhandlung stets insgeheim zu entdecken hoffe, ich es vermutlich selbst schreiben muss. Und dann habe ich mich gefragt, was dabei rauskäme, wenn ich denn selbst ein Buch schreiben würde und was ich schreiben würde.

Wenn ich ein Buch schreiben würde, dann vermutlich über mich – oder die Version von mir, die ich gerne wäre. Ich habe zu wenig Fantasie, ein ganzes Leben zu erfinden. Ich habe zu wenig Ehrgeiz ein ganzes Leben zu erfinden und ich habe zu wenig Zeit, ein Leben zu erfinden, wenn ich doch mein eigenes auch noch Leben will. Darum würde ich über mich schreiben – mehr oder weniger.

Was die Nachteile sind, wenn man Laktoseintolerant ist. Was für einen Vorteil es hat wirklich skinny zu sein. Was ich an Kaffee finde und was mich an der Musik fasziniert. Ich würde darüber schreiben, warum ich Bücher lese und davon erzählen, wie ich mich fühle, wenn ich frei bin.
Ich würde jedes Kapitel anderswo schreiben. Eines nur in Cafés, eines nur im Zug. Eines würde ich leer lassen, weil es auch schweigsame Momente geben soll. Ein Kapitel würde ich auf einem Berggipfel schreiben und eines am Tiefsten Punkt in einem Tal. Ein weiteres Kapitel irgendwo dazwischen – auf einer Wanderung vielleicht. Ich würde davon erzählen, wie es ist gemeinsam allein oder alleine zu zweit zu sein. Ich würde von den Menschen berichten, die ich auf meiner Reise so antreffe und ihnen ein Kapitel widmen. Ein Kapitel würde dann den Helden des Alltags gehören. Dem Briefträger und der Frau aus dem Tante Emma Laden – denen würde ich einen Platz geben.
Wie es ist, wenn ich am Flügel sitze und die Musik aus meinen Fingern in die Tasten fliesst – darüber würde ich schreiben. Ich würde davon erzählen, warum es mich glücklich macht, wenn ich traurig bin.
Schöne Momente – denen würde ich ganz viel Platz lassen. Genauso wie den traurigen. Platz lassen um davon zu schreiben, wie es sich anfühlt, verlassen zu werden, aber auch, wie es ist, wenn ich mich verliebe. Wie es ist, wenn man das Misstrauen überwindet und sich jemandem anvertraut. Ich würde darüber schreiben, wie es ist, Angst zu haben und dann und wann an seine Grenzen zu stossen. Und Irgendwo dazwischen hätte es bestimmt Platz, um davon zu erzählen, wie es ist, wieder aufzustehen, sich selbst wieder finden und das Gefühl vom lebendig sein einfach zu geniessen.

Ich würde von mir schreiben und jedes Kapitel an einem anderen Ort schreiben – ausser das Erste und das Letzte. Für diese beiden Kapitel würde ich nach Hause fahren, um dort aufzuhören, wo ich begonnen habe – am einzigen Ort, an dem ich das Gefühl habe, zu fliegen. Der Ort, an dem der Himmel greifbar wird und kleine Wunder plötzlich geschehen. Der Ort, an dem ich schweben kann und mich und meine Geschichte für einen Moment vergessen kann.

Wenn das Buch fertig wäre, müsste ich mir einen Titel aussuchen. “Ein ganz normales Leben” vielleicht oder sowas das “catchy” ist – “wie ich mich aufmache um mich zu suchen und jemand anderen fand”. Klingt doch gut, nicht? Vielleicht bleibt es ganz was einfaches – “Notizen – von mir. für mich. über mich. für euch”. Sowas vielleicht.

Vielleicht würde ich dann eines Tages in eine Buchhandlung gehen und mein Buch dort sehen. Vielleicht bliebe das Skript auch für immer in meiner Schreibtischschublade liegen – wer weiss.

Doch warum Budapest?

Der Grund ist einfach. Budapest ist der Ort oder die Stadt, die all diese Orte in sich vereint. Man kann sowohl auf dem Gipfel eines Berges als auch in der Senke eines Tales sein. Man kann am Wasser und auf einer Wanderung sein. Kaffee trinken und Bücher lesen. All die Orte, die ich aufsuchen würde, um mein Buch zu schreiben, finde ich hier in Budapest – in der Stadt an der Donau.

Hier würde ich gerne ein Mal leben. Nicht für immer. Nicht jetzt. Irgendwann.

Andere wählten Venedig, Rom, London oder Paris – ich gienge nach Budapest. Die Stadt an der Donau. Was mich mit dieser Stadt verbindet, erzähle ich euch ein ander Mal.

Jetzt muss ich nur noch dort hin und mit dem Schreiben beginnen.

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